Regengedanken
Ich sitze gerade auf der Terasse des YMCA. Es ist etwas kühler als sonst, denn es hat begonnen zu Regnen. In letzter Zeit beginnt es immer häufiger zu Regnen, da sich die Trockenzeit langsam dem Ende neigt.
Regen in Togo ist toll. Es ist als würde alles für einem Moment still stehen. Keine Kinder spielen mehr auf den Straßen, es fahren nur noch wenige Motorräder, alle Verkäufer*innen am Straßenrand verschwinden und alles ist ein bisschen stiller als sonst.
Wenn Maggy und Ich dann in den Regen rennen, um uns abzukühlen, werden wir angeguckt, als wären wir verrückt, weil das hier irgendwie nie jemand macht :D
Ich glaube, aktuell ist meine Lieblingszeit des Jahres, da überall die Natur durch den Regen wieder grün wird und alles aufblüht. Außerdem ist Mango- und Avocadosaison und auf dem Markt sieht man riesige Mengen an Früchten, die jetzt verkauft werden.
Letzte Woche fand die KiBiWo („Kinder-Bibel-Woche“) im YMCA in Atakpamé statt.
Von Montag bis Mittwoch gab es für die Kinder viele verschiedene Spiele, Tanz, Sport, Quiz und eine große Olympiade.
Außerdem ging es thematisch um die Ostergeschichte und die christlichen Werte, die während der drei Tage vermittelt werden sollten.
Insgesamt sind ca. 150 Kinder gekommen. Das Programm wurde schon vor Wochen von uns geplant und organisiert. Zum Glück hat es dann auch wirklich gut funktioniert, auch wenn es natürlich sehr anstrengend war.
Von der KiBiWo wurde uns bereits auf unseren Vorbereitungsseminaren für den Freiwilligendienst erzählt, da sie das größte Event der YMCAs in Togo ist und jedes Jahr von den Freiwilligen organisiert wird. Dementsprechend herrschte auch etwas Druck, alles genauso gut zu machen, wie in den letzten Jahren.
Aber Maggy und ich sind wirklich zufrieden mit der Aktivität und ich denke auch, dass die anderen Animateure und vor allem die Kinder viel Spaß hatten :D
Am Mittwoch Nachmittag, als dann die KiBiWo in Atakpamé vorbei war, sind wir mit drei weiteren Freunden nach Lomé gefahren, um dort für die nächsten zwei Tage bei der KiBiWo in Lomé zu helfen.
Obwohl die KiBiWo einen christlichen Hintergrund hat, haben auch viele Kinder teilgenommen, deren Familien andere Religionen haben. Denn hier in Togo gibt es neben den Christen auch viele Muslime und der Großteil der Bevölkerung ist Anhänger von Naturreligionen, wie z.B. Vodoo.
Die meisten Menschen sind gläubig und die Religion spielt eine große Rolle.
Trotz dieser religiösen Vielfalt, habe ich noch nie mitbekommen, dass es Konflikte oder Ablehnung zwischen den verschiedenen Religionen gibt. Kirchen und Moscheen stehen nah beieinander und wenn ich bei der Arbeit bin, höre ich häufig den Ruf des Muezzin der Moschee und gleichzeitig Gesänge von Kirchenchören. Mittags oder Abends sind oft die Läden und Stände der Muslime geschlossen, da sie zu dieser Zeit beten, das tun sie oft auch einfach gemeinsam am Straßenrand, und es ist ganz normal, dann einfach etwas zu warten, bis ihre Geschäfte wieder öffnen.
Dafür sind dann ihre Läden auch immer Sonntags auf, da dieser Tag bei den Muslimen nicht als Ruhetag gilt.
Ich habe das Gefühl, bei diesem Thema ist Togo Deutschland weit voraus. Denn hier herrscht so eine bedingungslose Akzeptanz des individuellen Glaubens. Niemand wird komisch angeguckt, wenn er ein Kopftuch trägt oder erzählt, dass er Sonntags in die Kirche geht.
Und so kommen auch in den YMCA Protestanten, Katholiken und auch Muslime, und alle werden toleriert und respektiert.
Außerdem werden oft auch Elemente der einzelnen Religionen gegenseitig übernommen bzw. vermischen sie sich. So sehe ich z.B. manchmal eine christliche Freundin von mir mit einem Kopfttuch rumlaufen oder am Ende des Ramadans gehen auch manche Christen mit zum Beten der Muslime.
Anders als in Deutschland habe ich den Eindruck, dass es in Togo eine größere Vielfalt, Akzeptanz und Offenheit gegenüber den Religionen gibt. Und das ist für mich wunderschön zu sehen.
Es gibt keine harten Grenzen, keine starken Abgrenzungen, sondern ein Miteinander des Glaubens.
Trotzdem ist es hier für mich nicht einfach, meinen persönlichen Glauben zu hier finden. Die christlichen Gottesdienste sind zwar schön, mit viel Gesang und Tanz, aber meistens auf Ewe und mit ca. drei Stunden auch ziemlich lang.
An Ostern und Weihnachten gehen Margareta und ich dann schon in die Kirche, aber ansonsten nicht wirklich.
Aber es ist sehr cool, so eine Vielfalt zu sehen und mitzubekommen, wie unterschiedlich die selbe Religion gelebt werden kann.
Das war‘s erstmals, ich werde versuchen, diesmal nicht so lange für den nächsten Beitrag zu brauchen ;)
Tschüss !
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Erster Tag der KiBiWo ;) |
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Basteln und Gesichtsbemalung |
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KiBiWo in Atakpamé |
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KiBiWo in Lomé |
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Offensichtlich erschöpft nach einer Woche Programm :D |
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Die katholische Kirche an Ostern |
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